Hermann Pohlmann Teikei Coffee
Communitybasiertes Wirtschaften,  Interview,  Kaffee,  Solidarische Landwirtschaft

Teikei – Community Supported Coffee: Im Interview mit dem Gründer Hermann Pohlmann

Das Projekt Teikei-Kaffee hebt das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft auf eine globale Ebene. Eine Verbrauchergemeinschaft in Europa finanziert gemeinsam den Anbau des Kaffees und die Aufbereitung in Mexiko und den Transport per Segelschiff nach Europa, wo der Kaffee geröstet und an die Mitglieder verschickt wird. Die Ernte und das Risiko teilen gilt auch hier: Fällt die Ernte schlechter aus, bekommt die Verbrauchergemeinschaft auch weniger Kaffee. Die Bäuerinnen und Bauern in Mexiko bekommen dafür faire Löhne, ihre Ernte wird vorfinanziert und sie haben Planungssicherheit. In meinem Artikel über faire Kaffeepreise habe ich dir ja bereits einige Projekte vorgestellt, die sich um mehr Transparenz und faire Preise im Kaffeemarkt bemühen – Teikei habe ich damals ausgespart, um diesem besonderen Projekt, das übrigens auch eine Crowdfunding-Kampagne gemacht hat, einen eigenen Artikel widmen zu können. Umso mehr freue ich mich, dass sich der Gründer Hermann Pohlmann bereit erklärt hat, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Anfang 2018 habt ihr eine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext gestartet, in der ihr 40.000€ Euro von 400 Unterstützern eingesammelt habt – sozusagen der offizielle Startschuss eures Projektes. Warum habt ihr euch damals für ein Crowdfunding entschieden?

Startnext war für uns eine super Möglichkeit, viele Leute zu erreichen. Es war sozusagen der Beginn unseres Projektes, um mit vielen Menschen und Mitgliedern in Kontakt zu kommen.

Wie habt ihr damals auf eure Kampagne aufmerksam gemacht? Kannst du sagen, welcher Kanal oder welche Maßnahme besonders gut funktioniert haben?

Erst einmal im Freundeskreis und über Facebook. Einige Artikel in Zeitschriften und Radio und TV Auftritte kamen hinzu. Was wirklich das meiste gebracht hat, können wir nur vermuten.

Würdet ihr diesen Weg mit einer Crowdfunding-Kampagne wieder gehen?

Ja, auf jeden Fall. Wir überlegen aktuell, eine weitere Kampagne zu starten. Gerade entsteht unser erstes Teikei Café in Hamburg und wir wollen eine eigene Teikei Rösterei anschließen. Das kostet alles viel Geld und wir hoffen auf die Unterstützung unserer Freundinnen, Freunde und Mitglieder.

Was hat sich durch die Kampagne für euch ergeben? Sind aus den UnterstützerInnen von damals jetzt feste Mitglieder eurer Verbrauchergemeinschaft geworden?

Ja, viele unseren UnterstützerInnen sind auch Mitglieder in unserer Verbrauchergemeinschaft geworden, es war wirklich ein erfolgreicher Start.

Seid ihr eigentlich die erste global agierende Solawi/CSA?

So weit mir bekannt ist, sind wir die ersten, die so konsequent in Richtung globaler CSA arbeiten. Unser Focus liegt hier in erster Linie, eine Alternative im Wirtschaften aufzuzeigen. Wir nennen das „Assoziatives Wirtschaften“, in der wir alle Beteiligten an einen Tisch holen, um über den „Richtigen Preis“ zu verhandeln.

Was sind die größten Herausforderungen gegenüber einer „klassischen“, lokal organisierten Solawi/CSA?

Eine große Herausforderung ist natürlich die Entfernung. Es haben zwar schon einige von unseren Mitgliedern unsere Bäuerinnen und Bauern besucht, dort mitgearbeitet und Freundschaften geschlossen, das kann man aber nicht vergleichen mit einer klassischen Mitarbeit bei einer lokalen CSA. Auch ist die Sprache eine große Herausforderung. Mit den Bauern und Bäuerinnen ist es oft so, dass wir mit zwei ÜbersetzerInnen arbeiten müssen. Dann kommen kulturelle Unterschiede hinzu. Wir brauchen schon viel Geduld unm unsere Ziele einzuhalten. Es macht aber auch großen Spaß und wir lernen unglaublich viel daran.

Wie haltet ihr Kontakt zu den Mitgliedern eurer CSA bzw. wie kommen die untereinander in Kontakt? Bei einer lokalen CSA trifft man die anderen Mitglieder ja beim Mitgärtnern, Hoffesten und an den Verteilstationen, aber bei einer globalen Verbrauchergemeinschaft stelle ich mir das schwierig vor.

Wir haben jetzt Initiativen innerhalb von Teikei, die sich darauf konzentrieren, die Mitgliedergruppen so lokal wie möglich zusammenzubringen – z. B. EinBauerFürFreiburg, EinBauerFürHamburg etc. Ist dieses erst einmal erfolgreich, ist es auch möglich, sich zu begegnen und gemeinsam die jeweils angeschlossene Bauernfamilie in seine Stadt einzuladen.

Wenn ich in Zukunft meinen Kaffee über euch beziehen will – wie werde ich Teil eurer Solawi/CSA?

Einfach auf die Seite gehen, schauen, ob es schon eine Initiative in meiner Stadt gibt und sich eintragen. Falls es noch keine Gruppe in meiner Stadt gibt, kann man sich als Einzelhaushalt eintragen oder besser noch, man gründet eine Verbrauchergemeinschaft.

Plant ihr, dieses Prinzip auch auf andere Produkte aus Übersee auszuweiten, etwa auf Schokolade oder Gewürze?

Ja, auf jeden Fall. Möglichst sollen alle Produkte, die für unser tägliches Leben brauchen, assoziativ produziert und gehandelt werden. Dabei sollen die Abläufe so nachhaltig sein, wie möglich. Dafür steht Teikei.

Euer neustes Projekt ist das Teikei-Network – kannst du kurz sagen, was ihr damit vorhabt?

Teikei.global stellt die Erfahrungen zu Verfügung, die wir bei Teikei Coffee gesammelt haben. Es ist eine Ausbildung geplant und eine Zusammenführung aller schon aktiven Projekte, die nach dem Prinzip der SoLaWi / CSA arbeiten. Dies schließt natürlich auch alle Projekte ein, die über die Landwirtschaft hinaus aktiv sind – Weiterverarbeitung, Dienstleistung, Handel, Transport, Bildung, Kunst etc. Wichtig ist, dass die Projekte den Prinzipien der SoLaWi und die von Teikei folgen


Du findest Teikei auf ihrer eigenen Website, bei Facebook und bei Instagram.

Alle Fotos wurden mir von Hermann Pohlmann/Teikei Coffee zur Verfügung gestellt.

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