Crowdfunding-Wettbewerb
Crowdfunding-Wissen

Crowdfunding-Wettbewerbe bzw. Contests: Gemeinsam gegeneinander.

Am Dienstag Mittag ist der Crowdfunding-Wettbewerb für Food-Startups in die Finanzierungsphase gewechselt. Insgesamt 19 Projekte versuchen in den nächsten 5 Wochen, ihr Projekt zu finanzieren und möglichst viele UnterstützerInnen für sich zu gewinnen. Der Contest ist Teil des Foodstartup Wettbewerb Next Level! 2019 und wird veranstaltet vom Cluster Ernährung und StartinFOOD. Es sind spannende Ideen und coole Projekte dabei. Wenn du also Interesse an Food-Projekten hast, empfehle ich dir einen Blick auf die Übersichtsseite des Wettbewerbs. Von dort aus kannst du dir die Kampagnenseiten aller Projekte anschauen. Ich habe direkt auch zwei Projekte unterstützt, deren Produkte ich gerne einmal testen möchte.  

Was ist eigentlich ein Crowdfunding-Wettbewerb?

Bei einem Crowdfunding-Wettbewerb starten mehrere Projekte zeitgleich in die Finanzierungsphase – und beenden ihr Projekt auch zum gleichen Zeitpunkt. Innerhalb dieser Zeit – meist sind es 4-6 Wochen – versuchen die Projekte aber nicht nur, 100% oder mehr der Fundingsumme einzusammeln, sondern auch möglichst viele UnterstützerInnen für ihr Projekt zu begeistern. Die Veranstalter der Wettbewerber schütten nämlich in der Regel Preisgelder aus für die Projekte, die von den meisten Menschen unterstützt wurden. Es macht in einem Wettbewerb also einen Unterschied, ob du 1000€ von 10 Personen einsammelst oder von 100. Die Preisgelder werden oft in der Mitte der Laufzeit ausgeschüttet, manchmal aber auch am Ende. Deshalb schau unbedingt in die Konditionen des Wettbewerbs!

Gemeinsame Vorbereitung, kostenfreie Qualifizierung

Das tolle an solchen Wettbewerben, die es nicht nur zum Thema Food, sondern in vielen weiteren Bereichen gibt, ist die gemeinsame Vorbereitung. In der Regel veranstalten die InitiatorInnen solcher Wettbewerbe im Vorfeld kostenfreie Workshops oder Webinare, stellen Material zur Verfügung oder bieten Einzelberatungen an. Das erleichtert dir die Kampagnenplanung und du hast direkt Personen, mit denen du dich austauschen kannst. Für einen Wettbewerb gibt es meist eine Bewerbungsphase, in der du eine Projektskizze einreichen musst. Wer hier mit einer guten Idee punktet, wird dann für die Qualifizierungsphase freigeschaltet. Eine solche Qualifizierungsphase ist mitunter für die WettbewerbsinitiatorInnen kostspieliger als die Preisgelder – auch wenn du am Ende kein Preisgeld bekommst, hast du also etwas “gewonnen”.

Endlich loslegen – weil der Zeitplan es vorgibt

Wer kennt das nicht: Die Idee schwirrt im Kopf herum, erste Skizzen liegen auf dem Tisch – aber einen richtigen Impuls, endlich loszulegen, gibt es nicht. Für alle, die besser arbeiten, wenn sie Deadlines und Zeitpläne von Außen bekommen, kann es hilfreich sein, sein Projekt im Rahmen eines Wettbewerbs umzusetzen. Durch den vorgegebenen Zeitplan aus Bewerbungsphase, Qualifizierungsphase, Zeit für die Kampagnenerstellung und die Finanzierung ist man gezwungen, sein Projekt voranzutreiben, Infos einzuholen, sich festzulegen. Teams müssen sich plötzlich einigen, das Projekt wird vielleicht zum ersten Mal nach Außen kommuniziert. Das kann ein bisschen wie ein Stresstest sein und es gibt auch einige Projekte, die nach der Vorbereitung merken, dass die Idee doch noch nicht ausgereift genug ist oder das Team nicht funktioniert. Viele berichten aber, dass der Zeitplan des Wettbewerbs ihnen geholfen hat, das Projekt schneller zu konkretisieren und sich auch ein Stück weit zu professionalisieren.

Das Netzwerk – gemeinsam gegeneinander

Klar, Wettbewerb klingt erstmal nach einem Gegeneinander – und auch in einem Crowdfunding-Wettbewerb werden die Preisgelder an die ausgeschüttet, die am besten performen. Aber durch die gemeinsame Vorbereitung bildet sich oft unter den Projekten auch ein starkes Netzwerk, und die ProjektstarterInnen unterstützen sich gegenseitig. Vor allem zum Ende des Wettbewerbs, wenn einige Projekte bereits finanziert sind, helfen diese häufig mit, dass auch die anderen Kampagnen noch die 100% erreichen. Außerdem machen alle Projekte nicht nur Werbung für sich, sondern auch für den jeweiligen Wettbewerb – so ist natürlich eine deutlich größere Reichweite möglich. Besonders schön finde ich es, wenn die Wettbewerbe auch gemeinsame Veranstaltungen enthalten, auf denen sich alle Projekte präsentieren und jeder seine Netzwerke zum Kommen aktiviert.

Was spricht gegen Wettbewerbe?

Natürlich passen Wettbewerbe nicht für alle Projekte. Der vorgegebene Zeitplan kann dazu führen, dass die Finanzierungphase für einige Projekte in einer ungünstigen Zeit liegt: Das Team hat keine ausreichenden Kapazitäten, geeignete Veranstaltungen für die Bewerbung (z. B. Messen) liegen weit vor oder nach der Kampagne, die vorgegebene Laufzeit ist nicht optimal oder die Vorbereitungszeit für die Kampagne zu knapp. Gerade wenn etwas schief läuft, der Film nicht rechtzeitig fertig wird oder sich in der Projektentwicklung etwas verzögert, kommt Stress auf – und man startet nicht optimal vorbereitet in den Wettbewerb. Wer mit einem Crowdfunding nicht primär ein Finanzierungsziel verfolgt, sondern vielleicht eher einen Markttest machen will oder Feedback der Crowd benötigt (dazu kannst du diesen Blogartikel lesen), bekommt durch einen Wettbewerb möglicherweise verzerrte Ergebnisse. Schau dir deshalb auf jeden Fall genau die Konditionen für den Wettbewerb an und überlege, ob das für dein Projekt passt.

Wo finde ich weitere Wettbewerbe?

Die Crowdfunding-Wettbewerbe bzw. Contest-Kampagnen sind eine Entwicklung der Plattform Startnext. Sie bietet ihren Partnern die Möglichkeit, solche Contests auf der Plattform durchzuführen. Sehr erfolgreiche Wettbewerbe waren zum Beispiel der Deutsche Integrationspreis 2019 oder dm!Start. Der Food-Contest, den ich oben erwähnt habe, findet bereits zum dritten Mal statt.

Eine leider nicht ganz so übersichtliche Übersicht über kommende, laufende und beendete Wettbewerbe findest du auf Startnext. Dort werden auch zwei neue Entwicklungen mit aufgeführt: Die Matchfunding-Kampagne, in der der Partner die Unterstützungssumme von Projekten zum Beispiel im Verhältnis 1:1 verdoppelt (aktuell laufend und vielleicht für dich interessant: Krombacher Naturstarter) und die Boost-Kampagne, in der der Initiator zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgewählte Projekte mit einem festgelegten Betrag unterstützt (aktuell etwa KulturMut).

Die Vergabe öffentlicher Mittel durch Crowdfunding-Wettbewerbe

Was ich besonders spannend finde, ist die Vergabe von öffentlichen Fördermitteln über Crowdfunding-Contests. Bisher ist es ja oft so, dass in Ämtern, Referaten, Stiftungen oder Vereinen ein kleiner Personenkreis darüber entscheidet, welche Projekte die Fördermittel erhalten. Koppelt man die Gelder an einen Crowdfunding-Contests, erhalten die Projekte die Förderung, die am meisten Menschen motivieren und für sich gewinnen können. Also die, die möglicherweise am meisten gesellschaftliche Relevanz haben. Meiner Meinung nach kann das zu einer Demokratisierung von Mittelvergaben führen. Beispiele für solche Contests, in denen Fördermittel vergeben werden, sind der oben erwähnte Integrationspreis oder auch Kultur macht schön.

Du siehst, Crowdfunding-Wettbewerbe sind ein sehr spannendes Feld und können eine tolle Chance für das eigene Crowdfunding-Projekt sein. Ich bin gespannt, wie sich dieses Feld in den nächsten Jahren noch weiterentwickelt.

Transparenz: Dieser Blogbeitrag enthält sehr viele Links, die wie Werbung aussehen. Tatsächlich habe ich aber sehr spontan beschlossen, diesen Artikel zu schreiben, und wurde dafür von keiner der verlinkten Firmen beauftragt. Wer noch mehr Input zum Thema Wettbewerbe hat – gerne auch Verweise auf andere Plattformen, die Wettbewerbe ausrichten – kann mir gerne schreiben, dann ergänze ich das hier.

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