plantAge biovegane SoLaWi
Interview,  Solidarische Landwirtschaft

Crowdfunding für den Start einer bioveganen SoLaWi. Im Gespräch mit Judith von plantAge.

plantAge ist eine genossenschaftlich organisierte Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) in Frankfurt/Oder, die ab Juli 2019 Haushalte in Berlin und Brandenburg mit Gemüse aus bioveganem Anbau beliefert. Ende 2018 haben Judith und Freddy ihre Crowdfunding-Kampagne erfolgreich abgeschlossen.

Die Kampagne

  • Laufzeit: 9.11. bis 17.12.2018 (38 Tage)
  • Zielsumme: 1. Ziel 3.000€, 2. Ziel 12.000€
  • Erreicht: 13.002€
  • Unterstützer: 294
  • Durchschnittlicher Unterstützungsbetrag: 44€
  • Plattform: Startnext
  • Kampagnenlink: https://www.startnext.com/plantage
  • Ziel: Mit dem Geld aus dem Crowdfunding soll der Start der SoLaWi finanziert werden – das erste Ziel finanziert die Vorbereitung der Böden für den Winter, mit Erreichen des 2. Ziels wird zusätzlich die Pacht für den Acker vorfinanziert und Jungpflanzen und Saatgut können gekauft werden.

Wieso habt ihr euch dazu entschieden, ein Crowdfunding für den Start eurer SoLaWi zu machen?

Für einen Start der Solawi brauchten wir ein Mindeststartkapital, sowie mindestens 100 Gemüseabnehmer*innen. Da jedoch diverse Investitionen getätigt werden mussten, bevor wir dieses Ziel der finanziellen Sicherheit erreichen konnten, haben wir uns für ein Crowdfunding entschieden. Auf diese Weise bleiben die Einlagen der Genoss*innen unberührt, bis wir mit dem Gemüseanbau finanziell abgesichert starten. Das Crowdfunding machte uns also für den Projektstart unabhängig von den Genossenschaftseinlagen und gab gleichzeitig vielen die Möglichkeit uns auch mit kleineren Beträgen zu unterstützen ohne sich an einen Vertrag (Genossenschaft) binden zu müssen.

Hatte eure Kampagne noch andere Ziele als das Startkapital zusammenzutragen?

Die Kampagne diente auch zu Werbezwecken. Viele neue Interessierte haben uns über das Crowdfunding entdeckt. Auch haben viele das “Einfach-Mitglied-werden-Paket” im Crowdfunding gebucht und sind so Genoss*in bei plantAge geworden. Aber auch Unterstützer*innen, die uns nur mit einem kleinen Beitrag unterstützen konnten, haben eine  starke Identifikation mit dem Projekt. Durch das Crowdfunding  haben sie das Gefühl, dabei zu sein ohne die 150€ für die Genossenschaftseinlage aufbringen zu müssen.

Wann habt ihr mit den Vorbereitungen für die Kampagne angefangen?

Mit den Vorbereitungen haben wir etwa 6-8 Wochen vorher angefangen. Wir haben viel recherchiert und uns bis ins Detail  informiert, wie man das Crowdfunding optimal nutzen kann. Da wir auch Produkte von anderen Hersteller*innen angeboten haben, fanden da auch viele Absprachen im Vorfeld statt. Und auch das Crowdfunding-Video braucht seine Zeit, insbesondere weil uns Freund*innen/Genoss*innen dabei ehrenamtlich unterstützt haben neben ihrem Job.

Auf welchen Kanälen (on- und offline) habt ihr auf eure Kampagne aufmerksam gemacht? Könnt ihr noch sagen, welcher davon am erfolgreichsten war?

Gestartet haben wir mit einer Crowdfunding Release Party, um unsere bereits bestehende Community einzubeziehen und mitfiebern zu lassen. Wir haben unbezahlte Werbung auf Facebook und Instagram gemacht, und natürlich auf unserer Website und in unserem Newsletter von der Kampagne berichtet. Wir haben gezielt Veganer*innen in ganz Deutschland über Facebook-Gruppen angesprochen, das hat auf jeden Fall gut funktioniert. Auch haben wir über Kontakte vegane Blogger*innen erreicht, die uns geteilt haben. Auch auf unseren Flyern haben wir mit einem Stempel auf das Crowdfunding aufmerksam gemacht. Am meisten Support haben wir über direkte Kontakte, Freunde, Familie und weiteren Bekanntenkreise unserer plantAge-Community bekommen.

Ihr seid ja eine biovegane SoLaWi und tragt das „ohne Mist“ sogar im Logo. Habt ihr diese Tatsache in der Kommunikation sehr stark betont? Wie waren die Reaktionen darauf?

Wir sehen Veganer*innen definitiv als eine unserer Hauptzielgruppen. Dennoch sind wir für alle offen und möchten niemanden ausschließen. Bei unserem Anbau verzichten wir auf Pestizide und tierische Dünger, was nicht bedeuten muss, dass sich alle in unserer Community vegan ernähren. Es gibt schließlich auch darüber hinaus viele Gründe das Projekt unterstützenswert zu finden. Häufiger haben wir schon die Frage gestellt bekommen, wie denn Gemüse nicht vegan sein kann? Wenn wir es dann erklären, geht den meisten ein Licht auf. Genau diesen Perspektivenwechsel möchten wir erreichen. Dass jemand die Idee des veganen Anbaus nicht gut findet, erleben wir sehr, sehr selten und bleibt die Ausnahme.

Ich habe gesehen, dass ihr einige Kommentare auf eurer Pinnwand bekommen habt. Wie war allgemein der Austausch mit euren Unterstützern während eurer Kampagne?

Der Austausch mit Unterstützer*innen während der Kampagne ist wichtig, um sie zu motivieren weiter Werbung zu machen oder nochmal zu unterstützen. Daher haben wir auf Kommentare auf der Pinnwand immer geantwortet. Es hilft auch anderen, die sich die Kommentare ansehen und uns vielleicht noch nicht kennen, sich ein besseres Bild davon zu machen wer wir sind und wie wir ticken. So haben sie dann vielleicht auch Lust sich über das Crowdfunding hinaus zu informieren und sich mit uns zu verbinden.  Wir haben auch mit Mails an alle Unterstützer*innen mehrmals aufgerufen nochmal Bekannten Bescheid zu geben uns auch zu unterstützen.

Haben sich durch die Kampagne Dinge ergeben, mit denen ihr nicht gerechnet habt?

Wir haben zu der Zeit eine hohe Aufmerksamkeit erlebt in anderen Medien wie Zeitungen, Radiosendern und auch dem Fernsehen. Für diese ist es interessant über etwas aktuelles zu berichten. Da wir erst im Juli mit den Gemüsekisten starten werden, konnten wir das Crowdfunding als NEWs benutzen und es als Startschuss für das Projekt kommunizieren.

Was war euer größtes learning? Was würdet ihr beim nächsten Mal anders oder wieder genauso machen?

Ich glaube, dass wir uns ein höheres Fundingziel hätten setzen können. Unser erstes Ziel mit 3.000€ war sehr niedrig und schnell erreicht. Uns war es wichtig das Ziel zu erreichen, da wir ansonsten gar kein Geld bekommen hätten, daher sind wir auf Nummer Sicher gegangen. 12.000€ als 2. Ziel war realistisch, wie sich zeigte, aber man hätte auch noch höher greifen können, um Unterstützer*innen weiter zu motivieren.

Bei der Auswahl der Goodies werden wir beim nächsten Mal mehr auf die Steuerbeträge achten. Zum Beispiel fielen für den Folientunnel, der für 1000€ gebucht wurde, 19% Steuern an. Besser ist es Unterstützer*innen zum Spenden ohne Gegenleistung zu motivieren oder Dankeschöns anzubieten für die nur 7% Steuern anfallen. Insgesamt sind wir jedoch super zufrieden mit unserem Crowdfunding!

Vielen Dank, Judith, für das Interview und das Teilen eurer Erfahrungen!

Fotos: Judith Ruland

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