Alternative Finanzierungsmodelle

Alternative Finanzierungsmodelle – ein Gastbeitrag von Rechtsanwältin Eva Straube

In letzter Zeit haben mich einige Anfragen von Projekten erreicht, die sehr hohe Summen etwa für Landkäufe, Stallbauprojekte oder Instandsetzungsmaßnahmen benötigen und mich gefragt haben, ob sie dies über Crowdfunding finanzieren können. Das reward based-Crowdfunding kommt bei solchen Projekten allerdings oft an seine Grenzen – wer trotzdem gerne mit Hilfe der Crowd ein Projekt umsetzen möchte, kann möglicherweise auf eine andere Art der alternativen Finanzierung zurückgreifen. In diesem Artikel möchte ich dir einen Überblick geben, was es in diesem Bereich für Möglichkeiten gibt – und habe mir dazu Hilfe von der Rechtsanwältin Eva Straube geholt. Auch wenn diese Finanzierungsinstrumente oftmals nicht unter dem Aspekt „Crowdfunding“ betrachtet werden, kann man die Einwerbung dieser Mittel meines Erachtens aber als Kampagne planen und dabei vom Wissen, den Methoden und Erfahrungen aus dem reward-based Crowdfunding profitieren. Aber jetzt erstmal: Blog frei für Evas Gastbeitrag:


Basiswissen: Innen- und Außenfinanzierung

Grundsätzlich wird bei der Finanzierung zwischen Innen- und Außenfinanzierung unterschieden. Bei der Innenfinanzierung werden die dem Unternehmen zur Verfügung stehenden Mittel aus dem eigenen Umsatzprozess, z. B. durch Einbehaltung von Gewinnen und Rücklagenbildung generiert. Bei der Außenfinanzierung kommt das Kapital hingegen von externen Kapitalgebern, zu denen auch die UnternehmensgründerInnen gehören können.

Außenfinanzierung

Im Rahmen der Außenfinanzierung gibt es die Varianten

  • Kreditfinanzierung als klassische Fremdfinanzierung
  • Eigenfinanzierung (in Form von Einlagen und Beteiligungen)
  • und eine Mischform  aus Eigen- und Fremdfinanzierung, der sogenannten Mezzanine-Finanzierung

Man unterscheidet hier (im Rahmen der Außenfinanzierung) nach der Haftungsqualität des Kapitals, welche sich aus der Rechtsstellung der Kapitalgeber ergibt.

Eigenkapitalfinanzierung

Eigenkapital wird definiert als die Summe aller Finanzierungsmittel, die von den Gesellschaftern eines Unternehmens zu dessen Finanzierung aufgebracht werden. Im Rahmen der Eigenkapitalfinanzierung haben Investoren die Möglichkeit, Anteile am Unternehmen zu erwerben. Diese Form der Finanzierung hat für die Gesellschaft den Vorteil, dass unbefristet und zinsfrei Kapital zur Verfügung gestellt wird. Ferner wirkt sich ein hoher Eigenkapitalanteil positiv auf die Kreditwürdigkeit aus, was wiederum die Finanzierung durch Fremdkapital erleichtert. Nachteilig an der Aufnahme neuer Gesellschafter ist der damit verbundene formale Aufwand aufgrund gesetzlich vorgeschriebener Formvorschriften. Ferner erhalten die Gesellschafter umfangreiche Mitwirkungs- und Kontrollrechte und haben damit die Möglichkeit, unmittelbar auf die Unternehmensführung Einfluss zu nehmen. Der Investor wiederum ist aufgrund der Haftungsqualität des Eigenkapitals stets dem Risiko des Totalverlusts ausgesetzt. Ferner werden im Falle der Liquidation oder der Insolvenz des Unternehmens die Eigenkapitalgeber erst nach allen anderen Gläubigern der Gesellschaft befriedigt. Diesen Risiken stehen Gewinnausschüttungen, Renditezahlungen und erfolgsabhängige Dividendenzahlungen gegenüber.

Zu Eigenkapitalfinanzierung gehören:

  • Kommanditgesellschaften
  • Aktiengesellschaften
  • Genossenschaften

Fremdkapitalfinanzierung

Der Fremdkapitalgeber wird hingegen nicht am Unternehmen beteiligt. Er stellt dem Unternehmen Geld unter der Bedingung zur Verfügung, dass eine Rückzahlung erfolgt und regelmäßige Zins- und Tilgungsleistungen durch das Unternehmen erbracht werden. Da anders als beim Eigenkapital ein Rückzahlungsanspruch besteht, werden strenge Anforderungen an die vom Unternehmen zu leistenden Sicherheiten gestellt. Kontroll- und Mitspracherechte erhält der Fremdkapitalgeber nicht. Da es sich um ein reines Schuldverhältnis und nicht um ein Beteiligungsverhältnis handelt, haftet der Fremdkapitalgeber nicht gegenüber Gläubigern. Der größte Vorteil des Fremdkapitals besteht sicher darin, keine Anteile am Unternehmen abgeben zu müssen. Hinzu kommt, dass die zu zahlenden Zinsen den Gewinn und damit die Steuerlast mindern. Es hat jedoch den Nachteil, dass das erhaltene Kapital aufgrund des unbedingten Rückzahlungsanspruchs nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, was unter Umständen zu Liquiditätsproblemen führen kann, wenn der Rückzahlungszeitpunkt in eine wirtschaftlich schwierige Zeit fällt.

Zu Fremdkapitalfinanzierung gehören:

  • Lending based Crowdfunding
  • Direktdarlehen/Direktkredit

Mezzanine-Finanzierung

Was hat es nun mit der Mezzanine Finanzierung auf sich? Bei den Mezzaninen  oder hybriden Finanzierungsinstrumenten  handelt es sich um eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Je nach vertraglicher Ausgestaltung überwiegt also der Eigenkapital- oder der Fremdkapitalcharakter. Was bedeutet dies im Einzelnen? Im Liquidations- oder Insolvenzfall werden die Investoren bezüglich sonstiger Gläubiger nachrangig und bezüglich der Eigenkapitalgeber vorrangig behandelt. Anders als bei der reinen Fremdkapitalfinanzierung muss das Unternehmen gegenüber den Investoren keine besonderen Sicherheiten leisten. Die Renditeerwartung der Investoren unterliegt dabei der vertraglichen Ausgestaltung.  

Genussrechte

Im Rahmen eines Genussrechts ist der Investor am Erfolg des Unternehmens beteiligt, verfügt jedoch über keine Mitsprache- und Kontrollrechte. Die Ausgestaltung der Erfolgsbeteiligung unterliegt dabei den Vertragsparteien. Sie kann von einer reinen Gewinnbeteiligung bis zur Gewinn- und Verlustbeteiligung reichen. Neben der Gewinnbeteiligung besteht die Möglichkeit den Investor am Liquidationserlös zu beteiligen. Inwieweit dies sinnvoll ist, muss im Einzelfall entschieden werden. [Anm: Zu Genussrechten kommt nächste Woche noch ein Blogartikel]

Stille Beteiligung

Bei der stillen Gesellschaft handelt es sich um ein reines Innenverhältnis, d.h. der am Unternehmen mit einer Einlage beteiligte Investor tritt nicht nach außen in Erscheinung. Dies hat den Vorteil, dass der stille Gesellschafter ohne große Formalitäten in die Gesellschaft aufgenommen werden kann. Man unterscheidet zwischen der atypisch stillen Beteiligung und der typisch stillen Beteiligung. 

  • Atypisch stille Beteiligung:

Bei der atypisch stillen Beteiligung wird der Investor als Gegenleistung für seine Einlage prozentual am Gewinn und Verlust sowie am Vermögen(szuwachs) der Gesellschaft beteiligt. Die mit der Vermögensbeteiligung zwangsläufig einhergehenden Mitsprache- und Kontrollrechte unterliegen dabei der vertraglichen Ausgestaltung.

  • Typisch stille Beteiligung:

Im Unterschied zur atypisch stillen Gesellschaft, ist der Investor bei der typisch stillen Gesellschaft weder am Vermögen, den stillen Reserven noch am Liquidationserlös beteiligt. Inwieweit neben der Gewinnbeteiligung auch eine Verlustbeteiligung gegeben sein soll, muss individuell vereinbart werden. Mitsprache- und Kontrollrechte bestehen hier in der Regel nicht, jedoch hat der Investor gewisse Informationsrechte.

Partiarisches Darlehen

Beim Partiarischen Darlehen erhält der Investor keinen festvereinbarten Zins, sondern eine vorher prozentual festgelegte Erfolgsbeteiligung sowie in der Regel eine Beteiligung am Veräußerungserlös. Eine Verlustbeteiligung erfolgt nicht. Auch erhält der Investor keine Kontroll- und Mitspracherechte.

Crowdinvesting bzw. equity based Crowdfunding

Das equity-based Crowdfunding, auch Crowdinvesting genannt, bedient sich der vorgestellten Finanzierungsmodelle. Wenn du selber investierst, schau also genau nach, welches Finanzierungsmodell gewählt wurde. Willst du selber eine Crowdinvesting-Kampagne starten, gibt es dafür verschiedene Ausgestaltungsmöglichkeiten.

Weitere Finanzierungsmodelle

Auch die Solidarische Landwirtschaft ist ein Modell, das man unter dem Gesichtspunkt der alternativen Finanzierung anschauen kann, ebenso wie Patenschafts- oder Leasingmodelle. Im Bereich des Landerwerbs haben sich in den letzten Jahrzehnten einige Organisationen gegründet, die in einem gesonderten Blogbeitrag zusammengefasst sind.


Der vorstehende Artikel dient nur als Überblick und stellt keine Rechtsberatung dar. Bei der Wahl des richtigen Finanzierungsinstruments und der vertraglichen Ausgestaltung kannst du dich gerne direkt an Eva wenden – Kontaktdaten findest du auf ihrer Website. [Keine Werbung – für den Beitrag habe ich Eva angefragt. Da ich selbst nicht zu rechtlichen Themen beraten darf und kann, arbeiten wir für solche Themen gerne zusammen.]


Weiterlesen

An der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde läuft derzeit ein Forschungsprojekt zum Thema „Alternative Finanzierungsformen entlang der Wertschöpfungskette für ökologische Lebensmittel“. Es gibt ein erstes Arbeitspapier, das nochmal alle Finanzierungsformen ausführlich darstellt. Im August findet außerdem eine Veranstaltung zum Thema „Alternative Finanzierungs- und Beteiligungsformen in der Landwirtschaft“ unter dem Titel “Support your local farmer” in Berlin statt, ausgerichtet von der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg und der FÖL.

Das Foto hat mir Eva zur Verfügung gestellt.

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